Nachhaltige Entwicklung wird für Unternehmen aller Branchen immer mehr zum strategischen Querschnittsthema. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Fachkräften, die Nachhaltigkeitsstrategien nicht nur verstehen, sondern aktiv gestalten können. In einem Interview mit der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde erläutert Studiengangsleiter Benjamin Nölting, wie berufsbegleitende Weiterbildungen im Strategischen Nachhaltigkeitsmanagement angehenden CSR-Managerinnen praxisnahe Kompetenzen vermitteln – ohne dabei den bisherigen Job zu unterbrechen. Die Teilnehmerinnen lernen, nachhaltige Geschäftsmodelle zu entwickeln, Veränderungsprozesse zu initiieren und Nachhaltigkeit tief im Unternehmen zu verankern.
Interview mit Benjamin Nölting – Erstveröffentlichung: JOBVERDE
JOBVERDE: Sie leiten das berufsbegleitende Qualifizierungsangebot „Strategisches Nachhaltigkeitsmanagement“ an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE). Wie bereitet der Studiengang auf den Berufsalltag im CSR-Management vor?

Bild: Prof. Dr. Benjamin Nölting Professur für Governance in regionaler Nachhaltigkeitstransformation
Benjamin Nölting: Unsere Teilnehmer*innen lernen, passgenaue und zugleich robuste Nachhaltigkeitsstrategien für ihre Organisation zu entwickeln – und diese auch gegen Widerstände umzusetzen. Sie identifizieren Ansatzpunkte für Organisationswandel, denken Transformationsprozesse strategisch vor und gestalten deren Umsetzung aktiv. Dabei geht es weniger um operatives Management, sondern stärker um Nachhaltigkeitsinnovationen. Grundlage dafür sind ein systemischer Ansatz, interdisziplinäres Denken und die Auseinandersetzung mit ethischen Fragen nachhaltiger Entwicklung.
CSR-Manager*innen kommen häufig aus der Betriebswirtschaft oder sind Quereinsteiger. Wie sieht das bei Ihnen aus?
Der Hintergrund unserer Teilnehmer*innen ist sehr vielfältig: Sie kommen aus Wirtschafts-, Politik-, Verwaltungs- oder Rechtswissenschaften ebenso wie aus Ingenieurwesen oder Ökologie. Beruflich sind sie in Branchen wie Energie, Lebensmittel, Tourismus, Automobil oder Chemie tätig – in großen und mittelständischen Unternehmen, in Verwaltungen, NGOs oder als Selbständige. Diese Vielfalt bringt viel Praxiserfahrung und unterschiedliche Perspektiven in die Kurse. Unser Motto lautet: „Gestaltungsinteresse sucht Gestaltungskompetenz.“
Bachelorangebote im Bereich CSR sind noch rar. Wie wichtig sind spezialisierte Grundstudiengänge?
Ein solides fachliches Fundament ist essenziell – als Basis für inter- und transdisziplinäres Denken. CSR kann gerne stärker in Bachelorprogramme integriert werden, doch eine reine Spezialisierung halte ich für zu früh. Wichtiger ist, nachhaltige Entwicklung als Querschnittsthema in möglichst vielen Studiengängen zu verankern. Nur so entsteht der notwendige globale und langfristige Blick auf unternehmerische Entwicklung.
Welche Bedeutung hat CSR-Management aus Ihrer Sicht für Unternehmen?
CSR kann erstens eine umwelt- und sozialverträgliche Produktion fördern. Zweitens – und das ist entscheidender – kann es Nachhaltigkeitsideen in alle Unternehmensbereiche tragen. Wenn Nachhaltigkeit Teil der Strategie und des Kerngeschäfts wird, entfaltet sie ihr volles Potenzial. Genau dort gehört professionelles Nachhaltigkeitsmanagement hin.
Manche Unternehmen betrachten CSR-Abteilungen als Kostenfaktor. Was entgegnen Sie?
Wenn CSR lediglich als Anhängsel ohne Bezug zum Kerngeschäft gesehen wird, bleiben die Wirkungsmöglichkeiten begrenzt. Dann geht es allenfalls um punktuelle Lern- und Innovationsimpulse. Ohne echten Veränderungswillen kann sich ein Unternehmen die Abteilung tatsächlich sparen – muss dann aber hoffen, dass Kund*innen und Gesellschaft langfristig keine höheren Erwartungen an verantwortliches Wirtschaften stellen.
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Wo sind Ihre Absolvent*innen heute tätig?
Da es sich um ein berufsbegleitendes Angebot handelt, setzen die meisten das Gelernte direkt im eigenen Unternehmen um. Sie initiieren Arbeitsgruppen, erstellen Gemeinwohlbilanzen oder optimieren Umwelt- und Schadstoffmanagement. Eine Teilnehmerin berichtete kürzlich, dass sie zur internen Nachhaltigkeitsexpertin wurde, nachdem ihr kommunales Unternehmen einen politischen Nachhaltigkeitsauftrag erhielt. Solche Entwicklungen zeigen, wie praxisnah die Qualifizierung wirkt.
Was sind derzeit die größten Herausforderungen im CSR-Management?
Nachhaltige Entwicklung ist häufig ein öffentliches Gut – es gibt dafür keine unmittelbare, zahlungskräftige Nachfrage. Kurzfristig lassen sich damit selten hohe Gewinne erzielen. Gleichzeitig werden externe Kosten nur unzureichend eingepreist. Staatliche Regulierung kann hier Impulse setzen, etwa im Bereich erneuerbarer Energien. Langfristig profitieren jedoch Unternehmen, Kund*innen und Gesellschaft gleichermaßen, wenn Ressourcen und Produktionsgrundlagen geschont werden.
Brauchen deutsche Unternehmen mehr CSR-Manager*innen, die Veränderungsprozesse anstoßen?
Unbedingt. Auch wenn der Handlungsspielraum nicht immer groß ist, sollten Nachhaltigkeitsverantwortliche Verbündete suchen und beharrlich an Transformationszielen arbeiten. Nachhaltigkeit rechnet sich nicht immer sofort – doch ein systematischer Blick über den Tellerrand sichert langfristig die Handlungs- und Entwicklungsfähigkeit von Unternehmen.
Fazit
Weiterbildung im Bereich CSR-Management ist ein Schlüssel, um Nachhaltigkeitsziele in der Praxis umzusetzen: Sie vermittelt nicht nur theoretisches Wissen, sondern auch Methodenkompetenz für echte Transformation. Berufsbegleitende Studiengänge wie in Eberswalde ermöglichen Quereinsteigern und Fachkräften aus verschiedensten Bereichen, nachhaltig wirksame Strategien zu entwickeln und im Unternehmensalltag umzusetzen. Damit wächst nicht nur ihre eigene Expertise, sondern auch die Fähigkeit von Organisationen, nachhaltiges Wirtschaften systematisch zu verankern.
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Nach meiner Ausbildung zum Bürokaufmann war ich zunächst in der Öffentlichkeitsarbeit der IHK Berlin tätig. Schon früh hat mich jedoch die internationale Perspektive begeistert. Deshalb zog es mich für ein Jahr nach San Sebastián in Spanien, wo ich wertvolle berufliche Erfahrungen sammeln konnte. Anschließend studierte ich Internationale Betriebswirtschaft in Valencia. Die Kombination aus wirtschaftlichem Know-how, internationalem Umfeld und meiner Leidenschaft für Kommunikation prägt meine Arbeit bis heute – sowohl als Unternehmer als auch als Journalist.
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